Moderne Liebesgedichte

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Liebesgedichte

Zu allen Zeiten war die Liebe das bevorzugte Thema von Gedichten. Das ist auch kein Wunder, denn Poesie ist in der Regel hochemotional und gibt, von Balladen einmal abgesehen, eher Sehnsüchte, Befindlichkeiten und Stimmungen wieder, als dass sie Geschichten erzählt wie Romane oder Novellen. Besonders die Qualen einer unerwiderten oder – aus welchen Gründen auch immer – unerfüllbaren Liebe stehen oft im Mittelpunkt von Gedichten. Dabei fällt auf, dass sehr viele Dichter ihre eigenen Empfindungen und Erfahrungen poetisch wiedergeben, Fiktion ist anders als in den übrigen literarischen Gattungen hier eher die Ausnahme als die Regel. Auch der ganz konkrete Einsatz von selbst verfassten Liebesgedichten, um das Herz der oder des Angebeteten zu erobern, ist unter “professionellen” Dichtern ebenso verbreitet wie unter Hobby-Poeten.

Kaum ein anderes literarisches Sujet ist von derartiger Zeitlosigkeit wie die Liebe: Durch die Jahrhunderte beherrscht in allen Kulturkreisen die Suche nach einem Herzenspartner Denken und Fühlen der Menschen. Die tiefe Verletzung bei einer Zurückweisung wird ebenso poetische verarbeitet wie die Hoffnung auf bevorstehendes Liebesglück. Dabei reicht die Tonalität von düsterer Schicksalsgläubigkeit, manchmal auch gepaart mit abgrundtiefer Verzweiflung, bis hin zu heiterer Leichtigkeit oder Ironie.

In der Geschichte der deutschen Dichtung war besonders die Epoche der Romantik, die die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts beherrschte, eine Hochphase des Liebesgedichtes. Waren zuvor in der Zeit von Sturm und Drang noch eher Helden-Balladen die bevorzugte Gedichtform, kam es in der Romantik zu einer Rückbesinnung auf Gefühl und Innerlichkeit bei gleichzeitiger Abwendung von der Rationalität. Dementsprechend wurde auch das Objekt der Liebe in Gedichten überhöht: Es ging nicht mehr um einen Menschen aus Fleisch und Blut, sondern um ein mystisches Objekt der Begierde, von dem man sich eine Art Erlösung von den irdischen Beschränkungen erhoffte. Joseph von Eichendorff und Novalis schufen derartige Liebesgedichte, die von einzigartiger lyrischer Schönheit sind und zugleich große Weltabgewandtheit widerspiegeln.